Unterwegs im Felsenmeer - Kroatien

Schon einmal auf dem Mond gewesen? Nein?

Es wird wohl auch noch ein paar Jährchen dauern, bis der reisehungrige Tourist zu dem Erdtrabanten jetten kann. Aber einen ersten Eindruck, wie es auf dessen Oberfläche wohl aussehen mag, kann man sich schon mal auf der Insel Pag verschaffen. 60 Kilometer lang und zwischen zwei und zehn Kilometer breit liegt das Eiland gegenüber dem mächtigen Velebit-Gebirgszug vor der Küste Kroatiens. Und ein Großteil der Fläche dieser fünftgrößten Insel der Adria besteht aus Stein – nichts als Fels und Stein, mal grau, mal strahlend weiß.

Unseren ersten Eindruck von dieser unwirtlichen Gegend bekommen Kiki und ich, als wir über die mächtige, schneeweiße Brücke rollen, die Pag mit dem Festland verbindet. Mit ihrem riesigen Bogen überspannt sie das tiefblaue Meer der Ljubačka vrata genannten Meerenge. Auf der linken Seite, unten am Wasser, fällt uns die alte, verfallene Festung ins Auge, und nach wenigen Metern führt eine schmale Stichstraße zu ihr hinunter. Natürlich können wir es nicht lassen, ein wenig in dem maroden Gemäuer herumzuklettern, dabei die fantastische Aussicht auf das Meer, die Brücke und das Gebirge zu genießen und mal den beiden Anglern über die Schulter zu schauen, die hier eifrig einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser ziehen.

35 000 Schafe ohne Halsbeschwerden

Genug geklettert, weiter geht es auf zwei Rädern. Einladend zieht sich der Asphalt hoch über dem Wasser weiter ins Inselinnere hinein. Blühende, wohlriechende Kräuter säumen den Straßenrand. Angeblich soll es auf Pag rund 35 000 Schafe geben, und eines ist wohl sicher: Halsschmerzen dürften die keine haben. Werden doch die von den wolligen Tieren so geschätzten und zahlreich verputzten Kräuter Salbei und Thymian in der Heilkunde gegen Halsschmerzen verabreicht. Und sollte mal eines der Schafe besonders zufrieden aussehen, verwundert das auch nicht – schließlich enthält Salbei halluzinogene Stoffe, denen marihuana-ähnliche Düfte nachgesagt werden.

Kroatien

Frisches Brot und Pager Schafskäse

Gut 20 Kilometer geht es durch einsame, felsige Landschaft. Etwa in der Inselmitte bietet sich ein kleiner Abstecher zu ihrem südlichen Rand an, nach Povljana. Das touristische Örtchen an der Bucht Stara Povljana ist recht nett, bietet einige Unterkünfte und das eine oder andere einladende Straßencafé. Uns zieht es aber erst mal weiter nach Pag, in die gleichnamige Hauptstadt der Insel. Hier decken wir uns mit ein paar Leckereien fürs Picknick ein, überqueren auf einem Damm die südlich liegende Bucht und schrauben uns über einige richtig spannende Kurven wieder hinauf in die Berge der Insel. Oberhalb von Šimuni suchen wir uns einen ruhigen Platz, natürlich mit genialem Panorama, und lassen uns frisches Brot mit würzigem Paski sir, dem leckeren Pager Schafskäse, schmecken.
Dass die Schafe solche Kräuter-Liebhaber sind, spiegelt sich in dem köstlichen Käse zweifelsohne wieder. Ein bisschen lassen wir uns noch die Sonne ins Gesicht scheinen, dann rollen wir ein paar Meter hinunter ins Dorf und bauen direkt am Meer unser Zelt auf. Dass wir an diesem Abend auch gleich noch einen fantastischen Sonnenuntergang genießen dürfen, macht uns die Insel Pag ganz besonders sympathisch.

Kroatien

Frühstück am nächsten Morgen gibt es mitten im Städtchen Pag. Ein leckerer Kaffee, knuspriges Gebäck mit frischer Marmelade und ein vitaminreicher Saft aus den von der Adriasonne verwöhnten dicken Orangen lassen uns gut in den Tag starten. Die anschließende Küstenrunde über Bošana erfordert auch eine anständige Stärkung – zwar sieht die Strecke auf der Karte richtig gut ausgebaut aus, in natura ist sie allerdings eine ganze Ecke anstrengender: Dicke Schlaglöcher, geschotterte Abschnitte und so manche tiefe Spurrinne erfordern Konzentration, und ein bisschen Erfahrung auf losem Untergrund macht das Ganze auch erheblich einfacher. Dafür belohnt einen die Runde mit sehr schönen Ausblicken auf die nordöstliche Inselseite und das dahinter liegende, riesige Velebit-Gebirge.

Badespaß auf Pag

Spannend ist auch unser Abstecher nach Metajna. Kurz vor Novalja, dem touristischen Zentrum Pags, biegen wir rechts ab und fahren die Stichstraße weit hinaus auf den Arm der Insel. Dieses Stückchen Straße – es sind gerade mal zehn Kilometer – gehört sicher zu den schönsten Straßenabschnitten Kroatiens. Dass wir unsere Badesachen dabei haben, versteht sich von selbst. Hier findet sich so manches idyllische Badeplätzchen zu Füßen einer der drei höchsten Erhebungen der Insel, dem Berg Panos mit seinen rund 220 Metern Höhe.

Schnurgerade, zwischen stacheligen Nadelbäumen und kunstvoll aufgeschichteten Steinmauern hindurch, leitet die Hauptstraße der Insel ganz an die nördliche Spitze Pags nach Tovarnele. Fast übergangslos mit dem Örtchen Lun verwachsen, besteht es eigentlich nur aus einem Fischerhafen, wo Fischerboote und Freizeitkähne um die Wette schaukeln und von wo im Sommer Ausflugsschiffe hinüber zur in Sichtweite liegenden Insel Rab starten. Wir lassen uns in einem Café nieder und relaxen ein bisschen, bevor es anschließend zurück nach Novalja geht. Rechts und links huschen uralte Olivenbäume an uns vorbei, die schon seit Jahrhunderten in Pags Norden gehegt und gepflegt werden und unter Naturschutz stehen. In einem der zahlreichen am Wasser liegenden Restaurants Novaljas kommen wir endlich in den Genuss einer köstlichen Brodetto, der einem Eintopf ähnelnden Fischsuppe mit den verschiedensten Fischarten, Olivenöl, Tomaten und Zwiebeln.

Kroatien
Kroatien
Kroatien

Weder Ufos noch grüne Männchen

Eine letzte Nacht auf Pag bei Šimuni, dann geht es über Kolan und vorbei an Novalja entlang der Hinweisschilder zur Fähre. Kurz vor dem einsam gelegenen Fährhafen sollte man unbedingt die Bergspitze auf der linken Seite im Auge behalten und auf Lichtsignale achten. Was den Schotten das Loch Ness, ist den Kroaten der rund 200 Meter hohe Berg Komorovac. Nur ist es hier kein Monster aus der Tiefe, welches die Gemüter erregt, sondern ein angeblicher Ufo-Landeplatz. Immer wieder machen Meldungen über ominöse Flugobjekte und unheimliche Sichtungen Schlagzeilen. Wir stoßen heute aber nicht auf grüne Männchen, werden auch nicht an Bord eines Raumschiffs gebeamt, sondern entern ganz unspektakulär die Fähre. Und in kürzester Zeit haben wir wieder das Festland zu Füßen der gewaltigen Berge des Velebit erreicht.

Kroatien
Kroatien
Kroatien
Kroatien
Kroatien
Kroatien
Kroatien
Kroatien